Integrität ist die konsistente Übereinstimmung zwischen den erklärten Werten, Verpflichtungen und beobachtbaren Handlungen einer Person oder Organisation. Sie zeigt sich am deutlichsten in Situationen, in denen eine Abweichung von erklärten Prinzipien unbemerkt oder unbestraft bliebe. Integrität umfasst Ehrlichkeit, die Vermeidung von Täuschung und die Weigerung, professionelle Verpflichtungen für persönlichen oder institutionellen Gewinn zu kompromittieren.

Erläuterung

Integrität ist nicht bloss die Abwesenheit von Unehrlichkeit. Sie beinhaltet die proaktive Konsistenz zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was getan wird, auch unter Druck. Eine Organisation kann Integrität beanspruchen und gleichzeitig systematisch Ausnahmen tolerieren; das Prinzip adressiert diese Lücke. Integrität erfordert keine Perfektion, aber sie verlangt, dass Integritätsmängel anerkannt statt verborgen werden.

Wie es sich in der Praxis zeigt

Die folgenden Muster werden häufig mit diesem Prinzip in Verbindung gebracht. Sie sind deskriptive Beobachtungen, keine normativen Anforderungen.

  • Verpflichtungen gegenüber Kunden, Partnern oder der Öffentlichkeit werden eingehalten, oder Abweichungen werden transparent kommuniziert.
  • Interessenkonflikte werden offengelegt statt stillschweigend gehandhabt.
  • Interne Praktiken stimmen mit der externen Kommunikation überein.
  • Fehler und Versäumnisse werden freiwillig gemeldet, nicht nur wenn sie entdeckt werden.

Häufige Fehlinterpretationen

  • Integrität bedeutet nicht Starrheit. Eine Position aufgrund neuer Erkenntnisse zu ändern, ist kein Integritätsmangel; sich trotz Erkenntnissen zu weigern, wäre es.
  • Integrität ist kein Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist ein beobachtbares Verhaltensmuster, das sowohl auf individueller als auch auf organisatorischer Ebene bewertet werden kann.
  • Integrität erfordert keine absolute Transparenz in allen Angelegenheiten. Bestimmte Informationen können legitimerweise zurückgehalten werden, sofern das Zurückhalten selbst nicht täuschend ist.

Spannungsfelder und Zielkonflikte

Dieses Prinzip kann in folgender Weise mit konkurrierenden Überlegungen interagieren:

  • Integrität vs. Pragmatismus: Strikte Einhaltung erklärter Werte kann mit praktischen Notwendigkeiten oder Erwartungen der Anspruchsgruppen in Konflikt stehen.
  • Interne vs. externe Integrität: Eine Organisation kann externe Integrität wahren und gleichzeitig interne Inkonsistenzen tolerieren oder umgekehrt.
  • Offenlegung vs. Vertraulichkeit: Die Verpflichtung zur Transparenz kann mit Vertraulichkeitspflichten gegenüber Kunden oder Partnern in Konflikt stehen.

Geltungsbereich und Grenzen

  • Dieses Prinzip schreibt keine spezifischen ethischen Positionen oder Werte vor. Es befasst sich mit der Konsistenz zwischen den vertretenen Werten und den ergriffenen Massnahmen.
  • Es löst keine Konflikte zwischen konkurrierenden Werten; es verlangt lediglich, dass solche Konflikte anerkannt werden.
  • Es befasst sich nicht mit unbeabsichtigten Missverhältnissen, die aus echter Unwissenheit statt aus Nachlässigkeit oder Absicht entstehen.

Verwandte Prinzipien


← Zurück zum Prinzipienverzeichnis