Verantwortlichkeit ist die Übernahme von Verantwortung für die eigenen professionellen Handlungen und deren Folgen. Sie umfasst die Bereitschaft, Entscheidungen zu erklären, sich angemessener Überprüfung zu stellen und die Folgen von Fehlern oder Versäumnissen zu akzeptieren und zu adressieren. Verantwortlichkeit existiert sowohl auf individueller als auch auf organisatorischer Ebene und erfordert, dass Verantwortungslinien klar definiert sind.

Erläuterung

Verantwortlichkeit ist nicht dasselbe wie Schuld. Sie ist eine strukturelle Bedingung, die sicherstellt, dass jemand für Ergebnisse verantwortlich ist und bereit ist, die Begründung hinter Entscheidungen zu erklären. Verantwortlichkeit ohne Autorität ist wirkungslos; Autorität ohne Verantwortlichkeit ist gefährlich. Das Prinzip erfordert beides: dass Verantwortung zugewiesen wird und dass die Verantwortlichen bereit sind, für ihre Handlungen einzustehen.

Wie es sich in der Praxis zeigt

Die folgenden Muster werden häufig mit diesem Prinzip in Verbindung gebracht. Sie sind deskriptive Beobachtungen, keine normativen Anforderungen.

  • Klare Verantwortungslinien werden für Entscheidungen und Ergebnisse festgelegt.
  • Wenn Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben, engagieren sich die Verantwortlichen in Erklärung und Korrektur statt in Abwehr.
  • Mechanismen für Feedback, Beschwerden und Wiedergutmachung sind verfügbar und funktional.
  • Nachträgliche Überprüfungen konzentrieren sich auf Verständnis und Prävention statt ausschliesslich auf Schuldzuweisung.

Häufige Fehlinterpretationen

  • Verantwortlichkeit ist keine Bestrafung. Sie ist die Verpflichtung zu erklären und, wo nötig, zu korrigieren.
  • Verantwortlichkeit erfordert nicht, dass jedes Ergebnis in der alleinigen Verantwortung einer Person liegt. Geteilte Verantwortlichkeit ist legitim, wenn Rollen klar definiert sind.
  • Verantwortlichkeit ist nicht das Gegenteil von Delegation. Die Delegation einer Aufgabe überträgt die Ausführung, nicht die letztendliche Verantwortung.

Spannungsfelder und Zielkonflikte

Dieses Prinzip kann in folgender Weise mit konkurrierenden Überlegungen interagieren:

  • Individuelle vs. systemische Verantwortlichkeit: Einzelpersonen für systemische Fehler verantwortlich zu machen, kann ungerecht sein; Fehler nur Systemen zuzuschreiben, kann persönliche Verantwortung untergraben.
  • Verantwortlichkeit vs. Innovation: Übermässige Verantwortlichkeit für Misserfolge kann Experimentieren und Risikobereitschaft entmutigen.
  • Rückblickende Verantwortlichkeit: Vergangene Entscheidungen nach aktuellem Wissen zu beurteilen, führt zu Rückschauverzerrung.

Geltungsbereich und Grenzen

  • Dieses Prinzip legt nicht fest, durch welche Mechanismen Verantwortlichkeit durchgesetzt werden sollte.
  • Es befasst sich nicht mit der rechtlichen Haftung, die ein eigenständiges, durch geltendes Recht geregeltes Konzept ist.
  • Es anerkennt, dass Verantwortlichkeitsstrukturen über Organisationen, Berufe und Rechtsordnungen hinweg variieren.

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