Kanonische Definition
Nachhaltigkeit der Praxis ist das Prinzip, dass professionelle Tätigkeiten so gestaltet und durchgeführt werden sollten, dass sie langfristig aufrechterhalten werden können, ohne die menschlichen, finanziellen, ökologischen oder institutionellen Ressourcen zu erschöpfen, von denen sie abhängen. Es adressiert die langfristige Tragfähigkeit der Arbeitsweise, nicht nur die Qualität unmittelbarer Ergebnisse.
Erläuterung
Nachhaltigkeit wird oft in ökologischen Begriffen diskutiert, aber das Prinzip erstreckt sich auf alle Ressourcen, die professionelle Praxis stützen. Burnout, finanzielle Überdehnung, Vertrauensverlust und Erosion institutionellen Wissens sind allesamt Nachhaltigkeitsversagen. Das Prinzip fragt, ob aktuelle Praktiken unbegrenzt fortgesetzt werden können oder ob sie Ressourcen schneller verbrauchen, als diese erneuert werden.
Wie es sich in der Praxis zeigt
Die folgenden Muster werden häufig mit diesem Prinzip in Verbindung gebracht. Sie sind deskriptive Beobachtungen, keine normativen Anforderungen.
- Die Arbeitsverteilung vermeidet systematische Überlastung von Einzelpersonen oder Teams.
- Geschäftsmodelle beruhen nicht auf Praktiken, die Vertrauen untergraben, natürliche Ressourcen erschöpfen oder Arbeit ausbeuten.
- Wissen wird dokumentiert und geteilt, statt auf Einzelpersonen konzentriert.
- Wachstum und Expansion werden in einem Tempo verfolgt, das interne Systeme und Personal bewältigen können.
Häufige Fehlinterpretationen
- Nachhaltigkeit bedeutet nicht Stillstand. Veränderung und Wachstum sind mit Nachhaltigkeit vereinbar, wenn sie innerhalb der Kapazität verfügbarer Ressourcen gesteuert werden.
- Es ist kein Argument gegen Ambition. Es ist ein Argument für Ambition, die langfristige Folgen berücksichtigt.
- Nachhaltigkeit der Praxis unterscheidet sich von ökologischer Nachhaltigkeit, obwohl sich beide überschneiden können.
Spannungsfelder und Zielkonflikte
Dieses Prinzip kann in folgender Weise mit konkurrierenden Überlegungen interagieren:
- Kurzfristige Leistung vs. langfristige Nachhaltigkeit: Praktiken, die den kurzfristigen Output maximieren, können über längere Zeiträume unhaltbar sein.
- Wettbewerbsdruck: Märkte können kurzfristig nicht nachhaltige Praktiken belohnen und Anreize zur Kompromittierung schaffen.
- Messbarkeit: Nachhaltigkeit ist in Echtzeit oft schwer zu messen; ihr Fehlen zeigt sich möglicherweise erst, wenn Ressourcen bereits erschöpft sind.
Geltungsbereich und Grenzen
- Dieses Prinzip schreibt keine spezifischen Nachhaltigkeitskennzahlen oder -ziele vor.
- Es befasst sich nicht mit makroökonomischer oder Umweltpolitik, ausser insofern professionelle Praktiken zur breiteren Nachhaltigkeit beitragen.
- Es anerkennt, dass nachhaltige Praktiken je nach Kontext, Umfang und verfügbaren Ressourcen variieren.